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Artikel Wormser Zeitung
Dienstag, 04. Dezember 2012 09:15 Uhr
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Wormser Zeitung
Worms 

Welt vor der eigenen Tür retten

- Erster Wormser Ethik-Preis geht an 17-jährige Schülerin


04.12.2012 - WORMS
Von Johannes Götzen
Zum ersten Mal hat die Wormser Ethik Initiative den Alisa-Preis für vorbildliches Handeln vergeben. Pia Müller, 17 Jahre junge Schülerin des Rudi-Stephan-Gymnasiums, ist die Preisträgerin und schaffte es mit ihrer kurzen Dankesrede, das Auditorium in der Andreaskirche tief zu beeindrucken. Sie sprach das auf den Punkt gebracht aus, worum es am Freitagabend beim Andreasstift in Vorträgen und Diskussionsrunde gehen sollte:„Wir brauchen Vorbilder – aber welche?“

Sie sei perplex und verwirrt gewesen, als man sie für den Preis vorgeschlagen hatte, bekannte die Zwölftklässlerin zunächst. „Mit Vorbildern verbinde ich Mutter Theresa, Martin Luther King oder Albert Schweitzer“, so die Gymnasiastin. Doch im Grunde bedeute Vorbild zu sein Verantwortung – und Verantwortung trage jeder: Nicht unbedingt gleich für die größten Dinge, wohl aber für die kleinen, für diejenigen, die man selbst umsetzen kann.

Engagement keine Einbahnstraße

Das tut Pia Müller etwa als Leiterin einer Jugendgruppe bei der Katholischen Jugend Eisbachtal oder im Alisa-Zentrum im Wormser Nordend sowie an ihrer Schule. Dort ist sie nicht nur Streitschlichterin, sondern hat maßgeblich daran mitgewirkt, dieses Angebot zu verbessern. Es wurden „Schüler-Coaches“ eingeführt mit einem entscheidenden Vorteil: Bei den Streitschlichtern müssen stets beide streitenden Parteien bereit sein, zum Schlichter zu kommen. Der Schüler-Coach jedoch nimmt sich der Sorgen und Nöte des Einzelnen an, der sich an ihn wendet.

Für Pia Müller ist solches Engagement keine Einbahnstraße:„Es ist nicht nur ein Geben, man bekommt auch etwas zurück.“ Ihre Erkenntnis:„Man kann vor der eigenen Tür beginnen, die Welt etwas besser zu machen.“ Das würden im Übrigen unzählige Bürger in Worms tun. Dann zitiert sie noch einen Satz, den sie dazu im Internet gefunden hat: „Worte sind Zwerge, Beispiele sind Riesen.“

Ihre Lehrerin Ursula Hartmann, Mittelstufenleiterin am Rudi-Stephan-Gymnasium, hatte zuvor die Laudatio gehalten mit dem Fazit: „Du hast dich um die jüngeren Schüler gekümmert. Auf dich war immer Verlass.“ Ilse Lang, Initiatoren der Alisa-Stiftung und der Ethik Initiative sprach aus, was sicherlich viele dachten:„Wir haben gesehen, dass es Vorbilder gibt. Ich bin beeindruckt.“

Vorbild sein

Zum Preis gehört unter anderem ein Gutschein für ein Fortbildungsseminar. Außerdem erhielt Pia Müller ein Werk von Eberhard Grillparzer, eine fünfseitige Pyramide, deren Symbole eine Aufforderung sind, Vorbild zu sein. In Großformat soll diese vorm Alisa-Zentrum aufgebaut werden und die Namen aller künftigen Preisträger enthalten.